Aktionswoche 2026: Migrations- und Asylverfahrensberatung brauchen verlässliche Strukturen

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Vom 28. September bis 2. Oktober 2026 beteiligen wir uns an der bundesweiten Aktionswoche für die Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE) und die behördenunabhängige Asylverfahrensberatung (AVB). Eine Woche lang machen wir sichtbar, was diese Beratungsangebote leisten – und warum eine verlässliche Finanzierung unverzichtbar ist.

MBE: Beratung, Orientierung und Teilhabe

Seit mehr als 20 Jahren ist die MBE ein fester Bestandteil der Integrationsinfrastruktur. Sie unterstützt Menschen mit Einwanderungsgeschichte dabei, sich in Deutschland zu orientieren und Zugänge zu Sprache, Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe zu finden.

Unsere Beratung umfasst dabei viele Lebensbereiche: Wir geben Erstorientierung und Informationen, vermitteln in Integrationskurse, unterstützen bei Fragen zu Aufenthalt und Familienzusammenführung und helfen bei der Suche nach Kinderbetreuung oder schulischen Angeboten.

Dabei arbeitet die MBE eng mit kommunalen Regeldiensten und zahlreichen Netzwerkpartner*innen zusammen – etwa mit Behörden, Jobcenter und Agentur für Arbeit, Sprachkursträgern, Schulen und Kitas, Beratungsstellen und psychosozialen Angeboten.

Die MBE wirkt damit weit über die einzelne Beratung hinaus: Sie stärkt die Strukturen vor Ort und leistet einen wichtigen Beitrag zu gesellschaftlicher Teilhabe und sozialem Frieden.

Damit diese Unterstützung vor Ort verlässlich erhalten bleibt, muss die im Regierungsentwurf vorgesehene Kürzung um knapp 4 Millionen Euro zurückgenommen und die Bundesförderung mindestens auf dem Niveau von 2026 in Höhe von 77,5 Millionen Euro gesichert werden.

Doch angesichts der seit 2022 um mehr als zehn Prozent gestiegenen Personal- und Sachkosten reicht selbst eine Fortschreibung dieses Betrags nicht aus. Für eine auskömmliche Finanzierung ist eine zusätzliche Förderung von 7,8 Millionen Euro erforderlich – insgesamt also mindestens 85,3 Millionen Euro.

Positiv ist, dass der Regierungsentwurf Verpflichtungsermächtigungen für drei Folgejahre vorsieht. Um den Beratungsstellen tatsächlich Kontinuität und Planungssicherheit zu ermöglichen, müssen diese jedoch in gleichbleibender Höhe vorgesehen werden.

Unser Appell: Wirkungsvolle Beratung braucht verlässliche Rahmenbedingungen.

AVB: Unabhängige Beratung für faire Asylverfahren

Auch die behördenunabhängige Asylverfahrensberatung ist ein wichtiger Bestandteil eines fairen und rechtsstaatlichen Asylverfahrens. Sie hilft Schutzsuchenden, das Verfahren sowie ihre Rechte und Pflichten zu verstehen und ihre Schutzgründe strukturiert vorzutragen.

Besonders wichtig ist dies für vulnerable Menschen. Die Besondere Rechtsberatung der ZBBS berät Schutzsuchende aus ganz Schleswig-Holstein, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und/oder geschlechtlichen Identität verfolgt werden, sowie psychisch erkrankte und aufgrund von Gewalterfahrungen traumatisierte Geflüchtete.

Viele Ratsuchende sprechen in der Beratung erstmals über Erfahrungen, die für ihr Asylverfahren entscheidend sein können. Dafür braucht es Zeit und vor allem Vertrauen. Traumafolgestörungen können zudem dazu führen, dass Erlebnisse zunächst nur fragmentarisch oder widersprüchlich geschildert werden können. Häufig sind mehrere Beratungsgespräche notwendig, bevor Schutzsuchende in der Lage sind, ihre Fluchtgeschichte bei der Anhörung vorzutragen.

Ohne spezialisierte und traumasensible Beratung besteht die Gefahr, dass schutzrelevante Tatsachen nicht erkannt werden.

Gerade deshalb sehen wir die geplanten Einschnitte mit großer Sorge: Der Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027 sieht für die AVB 5 Millionen Euro vor. 2026 stehen noch 24,5 Millionen Euro zur Verfügung. Für einen bedarfsgerechten und flächendeckenden Ausbau werden weiterhin 40 Millionen Euro benötigt.

Beratung braucht Verlässlichkeit

MBE und AVB haben unterschiedliche Aufgaben – gemeinsam ist ihnen jedoch, dass gute Beratung Zeit, Fachwissen, Vertrauen und verlässliche Strukturen braucht.

Mit unserer Aktionswoche wollen wir zeigen, was hinter diesen Beratungsangeboten steht: konkrete Unterstützung für Menschen, funktionierende Netzwerke vor Ort und professionelle Beratung, die gesellschaftliche Teilhabe und faire Verfahren ermöglicht.

Deshalb setzen wir uns für den Erhalt und eine verlässliche Finanzierung von MBE und AVB ein. Keine Kürzungen bei Beratungsstrukturen, die täglich gebraucht werden.

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